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EXPO 2015: Wir sitzen alle an einem Tisch

Ernährung und Ressourcenschutz: Wie stellen sich die Nationen eigentlich dem Motto?

EXPO 2015: Korea-Pavillion/ Foto: © AUMAMit dem Motto „Feeding the Planet. Energy for Life“ greift die EXPO Mailand die Frage nach unserem täglich Brot auf, eine Frage, die so fundamental ist, dass sie für viele geschichtlichen Ereignisse als Erklärung dient. Das EXPO-Motto richtet sich jedoch vor allem in die Zukunft: Werden unsere Ressourcen reichen, um eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren? Welche Antworten die teilnehmenden Länder auf diese Frage geben, wollte ich wissen, als ich vor kurzem die EXPO besuchte. – Der Mensch ist, was er isst, so die Koreaner. Der Pavillon zeigt, wie sich der Homo sapiens durch die moderne, westliche Ernährung zum übergewichtigen Homo mcdonalds entwickelt hat. Die Alternative heißt Kimchi. Das traditionelle koreanische Gemüsegericht entsteht durch Milchsäuregärung (Fermentierung), ist angeblich extrem kalorienarm, macht schlank und hält jung. Eine atemberaubende Multimedia-Show zeigt die Zubereitung in allen Phasen.

 

Japan inszeniert ebenfalls seine uralte Esskultur: frisches Gemüse und Sushi. Der Pavillon erzählt aber auch über die japanische Kultur im Allgemeinen. So werden in einem Wandschrank Miniaturmodelle der Wohn- und Tischkultur gezeigt. Bestandteile von Sushi werden akribisch abgebildet und erklärt. Herausziehbare Schubläden enthalten Angelhakensammlungen oder präsentieren die Vielfalt der Bohnensorten in Japan. Neben der Analyse der Esskultur zeigt der Pavillon einen etwa 10 m langen Tisch mit 24 Stühlen, der von normaler Tischhöhe auf eine Höhe von knapp 2 m ansteigt, ohne dass die Sitzflächenhöhe mitwächst. Hier wird japanische Teekultur gezeigt und ist wohl auch ein wenig optische Spielerei. Wenn auch vielleicht nicht beabsichtigt, bedeutet das: Wer an der hohen Seite des Tisches sitzt, reicht an die Tischplatte und das dort stehende Essen nicht mehr heran. Ein Bild, das sehr deutlich die ungleiche Verteilung der Nahrungsmittel auf der Welt symbolisiert.

EXPO 2015: Wir sitzen alle an einem Tisch - Japan-Pavillon/ Foto: © Anne BöhlDass manche näher am Teller sitzen als andere, zeigt auch die Positionierung der Länderbeteiligungen von Israel und Palästina. Während der israelische Pavillon direkt am Hauptweg Decumanus gelegen ist und gleichberechtigt am friedlichen Wettbewerb der Nationen teilnimmt, finde ich die Palästina-Beteiligung am äußersten Rand des EXPO-Geländes vor. In einem kleinen Raum im Cluster „Aride Zonen“ werden Löffel aus Olivenholz und Perlenketten angeboten. Apropos Perlenketten: Bei der Entdeckung Amerikas tauschten die Europäer mit Perlenketten Früchte, Wasser und Lebensmittel ein. Da ist es auch nicht ungewöhnlich, dass die Perlenketten auch heute noch in fast jedem Cluster-Pavillon auf der EXPO angeboten werden. Sie sind weiterhin universale Tauschmittel – heute aber sollen sie Touristen und Technologien in die ärmeren Länder bringen, Länder, die oft weit hinten am Ernährungstisch der Welt sitzen.

 

Weltausstellung bedeutet immer auch Begegnung mit fremder Kultur und exotischen Menschen. Wie werden die Bewohner der Länder gezeigt? Zwar bieten die Pavillons viel Folklore, aber der Mensch als Teil der Esskultur ist nur in wenigen Pavillons zu sehen. Etwa im US-Pavillon, wo der amerikanische Präsident die Besucher am Eingang mit einer Videobotschaft begrüßt. Weitere Videos zeigen Farmer oder Arbeiter der Ernährungsindustrie, die über ihre Produkte erzählen. Die fast völlige Abwesenheit von Personal hat aber auch etwas Positives: Nicht in jedem Pavillon können die Besucher sich so frei bewegen wie hier, denn Filmvorführungen und Shows haben meist eine strenge Besucherführung zur Folge (z.B. Kasachstan, Vereinigte Arabische Emirate). Auch den Österreich-Pavillon können Besucher ungehindert durchqueren: Hier bewegt man sich durch einen echten Alpenwald, der wohltuenden Schatten und kühle Feuchtigkeit spendet. Ohne lehrerhafte Anstrengung weist er auf die Vollkommenheit der natürlichen Ressourcen hin und lässt den Besucher einfach nur Luft, Wasser, Erde, Bäume und Pflanzen erleben. Gerade weil in vielen Pavillons mediale Shows zu sehen sind, ist die Österreich-Beteiligung eine schöne Abwechslung. –  Die Weltausstellung dauert bis zum 31. Oktober – es gibt also noch einige Gelegenheiten, sich selbst ein Bild über die Ideen der Nationen zu machen.

 

Beitragsbild: AUMA / comrhein

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