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Nachhaltigkeit auf dem Messestand – Rückblick und Chancen

Das Thema Nachhaltigkeit betrifft uns alle. Egal in welcher Situation, egal ob Tag oder Nacht, ob in der Freizeit, im Beruf und nicht zuletzt auch auf dem Messestand. Nachhaltiges Denken ist mehr denn je von uns allen gefordert. Gerade auf Messen hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr viel verändert. Thorsten Kollmeier, Vertriebsleiter beim Messedienstleister WUM Design GmbH, blickt auf die Auseinandersetzung der Branche mit diesem Thema zurück und beschreibt seine heutigen Erfahrungen.

War es vor dreißig Jahren nicht unüblich, trotz eines, im Vergleich zu heute, überproportionalen Einsatzes von Systemständen so ziemlich alles wegzuwerfen, begann das erste Umdenken, als die Messeveranstalter die Entsorgung kostenpflichtig machten. Da ging es dem Messebauer und Aussteller schmerzhaft ans Portemonnaie. Auf der anderen Seite gehören seitdem Müllberge aus frischen, aber nicht verteilten Prospekten, die Aussteller nach der Messe sorglos in die Gänge warfen, der Vergangenheit an. Es war der Beginn einer Trendwende, wenn auch nicht mit einem Schlag alles besser wurde. Nachhaltigkeit entwickelte sich daher zu einem schleichenden, unterschwelligen und beständigen Prozess des Umdenkens, der bis heute nicht abgeschlossen ist. Die Ursache für dieses Umdenken hat verschiedene Ansätze.

  • Kostengetrieben begann man darüber nachzudenken, wie der finanzielle Aufwand durch Wiederverwendung gesenkt werden konnte. Den teilweise großen Umfang an Messebeteiligungen konnte man nun etwas wirtschaftlicher gestalten, indem Präsentationsmöbel und Baugruppen immer wieder verwendet wurden. Wir minimierten so nicht nur die Kosten, sondern anteilig auch die Umweltbelastung.
  • Im Laufe der Zeit nahm die Bereitschaft zu Experimenten mit neuen Messebeteiligungen ab, ja man reduzierte die Beteiligungen teilweise erheblich. Auch ein Teil der Müllvermeidung, könnte man sagen.
  • Less is more! Der neue alte Leitspruch des Bauhauses prägt seit längerem die Art der Produktschau auf dem Messestand. Ausgewählte Exponate stehen exemplarisch für eine Produktwelt und werden heutzutage häufig durch virtuelle Anwendungen ergänzt. Das Transportvolumen reduzierte sich drastisch.
  • Emotionale Großdrucke ersetzten die nackten Zahlen und Fakten und sprechen nun den Besucher auf emotionale Art an. Mitunter ersetzen Großdrucke komplette Wandscheiben. Aber gerade bei den Großdrucken darf man sich nicht in die Irre führen lassen. Wir reden zwar oft von Stoffdrucken und Textilien. In der Regel sind diese Materialien aber Chemiefasern und tragen nicht zur Nachhaltigkeit bei. Die zur Bedruckung verwendeten Farben sind ebenfalls nicht nachhaltig.
  •  Wurde früher tonnenweise Material zur Messe gefahren und dort oft entsorgt, prüfen aktuelle Aussteller sehr genau, was und welchem Umfang zur Messe gebracht wird und wieder verwendet wird.
  • Nicht zuletzt der frühere amerikanische Präsident Barack Obama hatte indirekt Einfluss auf europäische Messebeteiligungen. Zu Beginn seiner ersten Amtszeit machte er die Nachhaltigkeit zu seinem erklärten Ziel und viele amerikanische Firmen folgten dieser Politik. Konsequenz war, dass alle amerikanischen Aussteller und deren Töchter das Thema Nachhaltigkeit bei Messebeteiligungen etablierten, auch wenn es bei manchem Unternehmen den wirtschaftlichen Rahmen sprengte und geplante Budgets komplett über den Haufen warf. Aber diese permanente Sensibilisierung, der stete Tropfen, führte sukzessive zu einem Umdenken – zumindest bis zum Ende der zweiten Amtszeit von Barack Obama.
  • Die aktuell stattfindende `Revolution´, das digitale Zeitalter, führt zum nächsten und vielleicht zum zentralen Umdenken in der Messewelt. Fragen, mit denen ich seit dreißig Jahren konfrontiert werde, scheinen nun Relevanz zu erhalten.
    – Wie wird sich die Messe entwickeln?
    – Brauchen wir künftig noch Messen?
    – Brauchen wir noch Prospekte?
    – Was erwartet der Kunde im digitalen Zeitalter von mir auf meinem Messestand?
    – Wann und wo beginnt meine Messebeteiligung und wann und wo endet diese?

So ungewiss, wie diese Fragen wirken, ist die Zukunft der Messebeteiligung nicht und das Persönliche, Menschliche, die non-verbale Interaktion, der EQ wird aktuell durch keine noch so smarte Robotik oder durch einen noch so gut geschriebenen Algorithmus ersetzt werden. Ein Blickkontakt oder die `Chemie´, die, neben vielen anderen Aspekten, die Grundlage einer guten Geschäftsbeziehung darstellen, werden nicht so schnell ersetzt werden können.

Fakt ist aber, die sich exponentiell verändernde Welt trägt ebenfalls zur Nachhaltigkeit bei. Prozesse, Industrieanlagen, komplexe und vielfältig einsetzbare maschinelle Applikationen sind Beispiele, die den Einsatz einer virtuellen Anwendung AR / VR, am Touchpad oder in einer Cave geradezu herausfordern. Diese Möglichkeiten führen zu einer Simplifizierung der Anforderungen an einen Messestand und fokussieren auf die dreidimensionale und mediale Umsetzung. Wir bewegen uns damit weg von einer rein durch Architektur getriebenen Umsetzung hin zu einer “Mediatektur”. Der Begriff Mediatektur setzt sich zusammen aus Medien und Architektur. Darunter verstehen wir eine architektonische Lösung und eine Umsetzung, die maßgeblich durch den Einsatz medialer Inhalte und Endgeräte geprägt ist.

Als Vertreter einer Branche, der man schon immer den Umweltschutz abgesprochen hat, freut es mich, dass ich immer wieder danach gefragt werde, wie Umweltschutz im Messebau möglich und realisierbar ist. Leider scheitert mancher Wunsch nach Nachhaltigkeit nicht selten an wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Aber es gibt Hoffnung! Und selbst bei strengen wirtschaftlichen Vorgaben gibt es zahlreiche Ansatzpunkte, wie Aussteller ihrem Wunsch nach Nachhaltigkeit gerecht werden können. WUM Design hat in einem Leitfaden zusammengefasst, wie Unternehmen ohne großen Aufwand ihre Messebeteiligung, in Zusammenarbeit mit ihrem Team und ihren Dienstleistern, umweltbewusster gestalten können – ganz nebenbei.

Über den Gastautor

Thorsten Kollmeier ist seit 30 Jahren in allen Kompetenzfeldern des Messebaus tätig. Bei seiner Tätigkeit als Vertriebsleiter bei WUM Design GmbH & Co. KG steht er in permanentem Austausch mit Kunden, Geschäftspartnern und Institutionen. Sein berufliches Wissen fließt in redaktionelle Beiträge ein oder ist Bestandteil bei Vorträgen auf Kongressen, Verbandstreffen oder Schulungsmaßnahmen. Seit 2012 ist das Unternehmen als „Sustainable Company“ nach Standards des FAMAB Kommunikationsverband e.V. zertifiziert.

Foto: © malp – fotolia.com

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