Nachhaltigkeitszertifikate in der Veranstaltungsbranche – Sinn oder Unsinn?
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Nachhaltigkeitszertifikate in der Veranstaltungsbranche – Sinn oder Unsinn?

„Viele Veranstaltungsgelände starten die Wende in die Nachhaltigkeit. Denn jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, um den bisherigen Standard zu verbessern“, schrieb Angie Robinson, Chefin von Manchester Central, in einem Gastkommentar für die Exhibition News. Es gehe nicht um ein marketingorientiertes „greenwashed“ Image, sondern vor allem um die Verantwortung, in der Veranstaltungsgelände gegenüber ihrer Nachbarschaft in Städten und Kommunen stehen.

Angie Robinson nennt als Grundlage für ein nachhaltiges Veranstaltungsmanagement die ISO 20121, ein internationales Regelwerk, das 2012 speziell für die Veranstaltungsbranche erarbeitet wurde. In der Tat gibt es am Markt mittlerweile eine Vielzahl von Nachhaltigkeitslabels und Zertifikaten, nationale und internationale. Wie nachhaltig ist aber die deutsche Veranstaltungswirtschaft? Im Kongressbereich wird sehr stark auf „Grün“ als Qualitäts- und Abgrenzungsmerkmal gesetzt. Es gibt Green Meetings, die Kongresshäuser selbst verfügen oftmals über ein Nachhaltigkeitszertifikat, und es existieren spezielle Beratungsfirmen, die Unternehmen dabei helfen, ihre Veranstaltungen und Kongresse „grün“ zu gestalten.

Die deutsche Messewirtschaft geht verhaltener mit dem Thema um. Es wird seit Jahren deutlich mehr getan, als publik gemacht wird. Woran liegt das? Die Bedeutung der ISO 20121 wird nicht nur vom AUMA, der bei der Überleitung in die entsprechende DIN ISO 20121 mitgewirkt hatte, kritisch gesehen. In der Norm werden Messen unter Events subsummiert, ohne auf deren Besonderheiten einzugehen. Messen haben aber die Schwierigkeit, dass bei ihnen eine viel größere Anzahl an Playern beteiligt ist als bei Kongressen. Kann beispielsweise ein Messeveranstalter vom Aussteller, seinem Kunden, nachhaltiges Wirtschaften einfordern und das auch nachprüfen? Wohl kaum.

Braucht die Messewirtschaft ein eigenes Nachhaltigkeitszertifikat, welches diese besonderen Merkmale berücksichtigt? Oder ist der Kunde nicht ohnehin schon durch die Masse von Nachhaltigkeitslabeln verunsichert? (Foto: Pixelio/Didi)

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3 Gedanken zu „Nachhaltigkeitszertifikate in der Veranstaltungsbranche – Sinn oder Unsinn?

  1. Es ist richtig, dass bereits einige Messeveranstaltungen heutzutage umwelt- und ressourcenschonend durchgeführt werden. Nachhaltigkeit endet halt nicht vor der Haustür. Deshalb wird es immer wichtiger, dass die Unternehmen die Möglichkeit erhalten, ihre Nachhaltigkeitsstrategie dort fortzusetzen, wo ein Unternehmen in der Öffentlichkeit, im Kontakt mit ihren Stakeholdern steht. Aus unserer Erfahrung können wir sagen, dass insbesondere immer mehr Messebauunternehmen die Beratung zu nachhaltigem Messebau suchen. Dies geschieht, bis auf wenige Ausnahmen, noch meist auf Druck derer Kunden. Ob mit oder ohne Zertifikat ist leider festzuhalten, dass die Qualifikation im Beratungsbereich zu umwelt- und ressourcenschonenden Handlungsfeldern bei einigen Messegesellschaften nicht ausreichend gegeben ist. Aktuelle Praxiserfahrung: Bei manchen Messenzentren ist es nicht ganz so einfach, den aktuellen Strommix in Erfahrung zu bringen!

  2. Das eigentliche Problem sehe ich in der schon existierenden Menge an Labels, die es neben ISO 20121 bis jetzt schon gibt und dort einen Überblick zu behalten. Dass viele Zertifikate und Labels Qualität versprechen, die nicht unbedingt gehalten wird, trifft auf viele Labels zu – ganz gleich, ob es um Nachhaltigkeit oder andere Themen geht.
    Dennoch denke ich schon, dass ein von glaubwürdiger und seriöser Stelle nach öffentlichen Kriterien vergebenes Siegel für den Kunden ein erster Anhaltspunkt sein kann: Hier wird sich zumindest mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt. Kunde und Dienstleister müssen dann auf jeden Fall ins Gespräch kommen, wie die nachhaltigen Aktivitäten überhaupt aussehen und ob hier ein stringentes Konzept verfolgt wird oder eben nur “optisch aufpolliert” wird.

  3. Vielen Dank für die Kommentare.

    Wir sind der Überzeugung, dass Nachhaltigkeit in der Messewirtschaft auf vielen einzelnen Bausteinen basiert. Die deutschen Messegesellschaften haben das Thema auf ihrer Agenda: Es werden energieeffiziente Leuchtmittel und Reportingsysteme in der Gebäudeautomation eingesetzt. Es gibt Recyclingstationen mit verschiedenen Wertstoff-Fraktionen, Kooperationen mit der Bahn und dem öffentlichen Nahverkehr, Elektrofahrzeuge für Fahrten auf dem Gelände, Lärmreduktion durch Einsatz von Spezialglas und Flüsterasphalt, eigene Blockheizkraftwerke sowie Solartechnik auf Messedächern. Und in der Regel kann auch Strom aus erneuerbaren Energien bezogen werden.

    Im Bereich Messebau spielen die eingesetzten Materialien, deren Wiederverwertbarkeit und natürlich die Logistik eine große Rolle. Die Messebauer stehen vor der anspruchsvollen Aufgabe, den Wünschen ihrer Kunden nach Individualität und herausragendem Design nachzukommen und möglichst trotzdem nachhaltig zu planen und zu entwerfen.

    Aber auch der Aussteller selbst kann nicht nur in seinem eigenen Unternehmen nachhaltig agieren, sondern auch seinen Messeauftritt nachhaltig gestalten. Er kann Abfall vermeiden durch kreative Lösungen bei dem von ihm verteilten Informationsmaterial oder dem Verpackungsmaterial für die Exponate, Strom auf seinem eigenen Messestand einsparen, Mehrweggeschirr verwenden, Catering mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln anbieten und eben nach nachhaltigen Wegen bei seinem Messebauer und der Messegesellschaft fragen.

    Die Kommunikation der einzelnen Beteiligten untereinander und der gemeinsame Wille, einen nachhaltigen Messeauftritt zu gestalten, sind aus AUMA-Sicht der Schlüssel zum Thema Nachhaltigkeit in der Messewirtschaft. Dafür bedarf es jedoch nicht zwingend eines zusätzlichen Labels.

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