Diversity weitergedacht – nicht nur für die Veranstaltungsbranche

Der gemeinnützige Verein She Means Community engagiert sich für Vielfalt, die Gleichstellung der Geschlechter und die Förderung von Frauen. Von Akteurinnen und Akteuren aus der Veranstaltungswirtschaft initiiert, sucht She Means Community den interdisziplinären Austausch und richtet sich an Menschen aus allen Berufen, Branchen und Bereichen. Am 9. Februar 2022 hat www.shemeanscommunity.org eine neue Community-Plattform eröffnet. Karin Ruppert ist Vorstandsvorsitzende des Vereins und bringt viel Erfahrung aus der Messe- und Veranstaltungsbranche mit. Das Interview führte Julia Tornier.

Liebe Karin, welche Erfahrungen habt ihr mit dem Launch eurer Plattform She Means Community gemacht?

Karin Ruppert: Wir sind immer noch überwältigt von der positiven Resonanz. Es ist großartig, dass wir bereits zum Start sehr viele unterschiedliche Perspektiven in der Community vereinen können: aus verschiedenen Branchen, mit Blick auf Geschlecht, sexuelle Orientierung, Alter, Herkunft, Lebensentwürfe und vieles mehr. Auf diese Vielfalt kommt es an!

Die bisherigen Gespräche haben uns darin bestärkt, dass es Plattformen wie die She Means Community braucht. Nach wie vor gibt es großen Handlungsbedarf bei der Gleichstellung. Das spiegeln uns vor allem die jungen Frauen sehr stark wider. Dabei geht es um Themen wie Gender Pay Gap, Sexismus, Frauen in Führungspositionen, Gender Care Gap, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, strukturelle Diskriminierung, Sichtbarkeit von Frauen auf den Bühnen, Homosexualität und Beruf, um nur einige zu nennen. In der öffentlichen Wahrnehmung scheinen Diversität und Geschlechtergerechtigkeit Top-Themen von vielen Unternehmen zu sein. Glaubt man den kommunikativen Echoräumen in den sozialen Medien, sind wir umgeben von Vorreiter:innen und hervorragend aufgestellt beim Thema Equality. Wagt man aber den Blick hinter die Kulissen von Organisationen, eröffnet sich ein Bild, das oftmals nicht mit dem Marketing übereinstimmt.

Genau hier setzen wir an mit Interaktionsformaten und konkreter Unterstützung bei der Lösung von Konflikten im Unternehmensalltag. Bei künftigen Veranstaltungen werden wir den Input aus der Community aufgreifen und vertiefen. Denn wir möchten einen Diskurs anregen, um diejenigen zu erreichen, die vielleicht bislang eher kritisch auf den „Diversity-Hype“ blicken. Ein Kulturwandel fängt beim Hinterfragen von Glaubenssätzen und Denkmustern an. Wir möchten durch unsere Arbeit einen Teil zur Bewusstseinsbildung beitragen. Dabei denken wir groß und nicht in Beschränkungen. Mit vielen anderen Initiativen pflegen wir bereits einen vertrauensvollen Austausch und verbinden uns für das gemeinsame Ziel.

Wie wirkt sich Corona derzeit auf die Situation von Frauen in der Messe- und Veranstaltungswirtschaft aus?

Karin Ruppert: Corona hat viele Ungleichheiten sichtbar gemacht. Ich erlebe viele Menschen, die seit dem Beginn der Pandemie ihren bisherigen Lebensentwurf und damit auch ihr Arbeitsleben hinterfragt und einen Neustart gewagt haben. Manchmal erzwungenermaßen, da die Messe- und Veranstaltungswirtschaft lange Zeit ein faktisches Berufsverbot erfahren hat und teilweise noch erfährt. Viele Menschen sind oder waren in Kurzarbeit und suchen in der unsicheren Situation Orientierung außerhalb der Branche.

Vor allem Familien mit Kindern hat Corona vor sehr große Herausforderungen gestellt. Und das hat auch Auswirkungen auf die Situation von Frauen. Für Alleinerziehende – das weiß ich aus eigener Erfahrung – ist eine solche Situation extrem schwer zu handeln, ohne permanent über die eigenen Grenzen zu gehen. Aber auch in Familien mit mehreren Elternteilen konnte ich beobachten, dass es eine Rolle rückwärts beim Thema Equality gegeben hat. Positiv zu bemerken ist im Gegenzug, dass sich viele Initiativen in der Messe- und Veranstaltungswirtschaft gebildet haben, die den Frauenmangel in Top-Positionen und auf den Veranstaltungsbühnen zum Thema machen und für einen Kulturwandel eintreten. Es genügt ein Blick in die Chef-Etagen vieler Organisationen der Branche, um zu erkennen, dass hier offensichtlich noch eine lange Wegstrecke vor uns liegt.

Um die Situation mit belastbaren, aktuellen Zahlen zu unterfüttern, legen die Fachzeitschriften tw tagungswirtschaft und m+a report der dfv Mediengruppe und der Messeveranstalter IMEX Group ihre internationale Umfrage „Frauen in der Veranstaltungswirtschaft“ nach fünf Jahren neu auf. Anders als 2017 sind 2022 auch Männer eingeladen, sich an der Befragung zu beteiligen. Der Fragebogen ist überarbeitet und die Pandemie einbezogen worden. Die zweisprachige Umfrage in Deutsch und Englisch beginnt am Weltfrauentag, 8. März 2022, und endet am 25. März 2022. Ich bin sehr gespannt, ob sich meine persönliche Wahrnehmung mit den Umfrage-Ergebnissen decken wird. Ich kann an dieser Stelle nur aufrufen, daran teilzunehmen!

Die Krise beinhaltet aber neben Herausforderungen auch eine große Chance, den Transformationsprozess voranzutreiben. Vieles sortiert sich neu. Und soziale Nachhaltigkeit, als Teil des Megatrends Nachhaltigkeit, hat sich längst vom Luxusthema zu einem Treiber für eine lebenswerte Zukunft entwickelt. Mit unserem Engagement möchten wir einen Beitrag leisten zum Erreichen der Sustainable Development Goals der United Nations, dem SDG #5: Gender Equality. Machen wir uns auf den Weg. Gemeinsam!

Wovon träumst du?

Karin Ruppert: Ich wünsche mir eine Welt, in der die Vielfalt an Perspektiven als ein Schatz verstanden wird und sich in politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entscheidungsgremien gleichberechtigt widerspiegelt. Ich wünsche mir, dass alle Menschen unabhängig von ihrem Alter, sexueller Orientierung, Geschlecht, geschlechtlicher Identität, Herkunft, körperlichen und geistigen Fähigkeiten, die Möglichkeit haben, sich entsprechend ihrer Talente zu entfalten, in ihre Kraft zu kommen und ihren Weg zu gehen. Ich wünsche mir eine Welt, in der wir in Verbindungen denken und nicht in Begrenzungen, uns gegenseitig unterstützen und voneinander lernen.

 

Web: www.shemeanscommunity.org
LinkedIn: www.linkedin.com/company/she-means-community-e-v

Fotos: shemeanscommunity.org (oben), Oliver Wachenfeld Fotodesign (Mitte)

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