Frauen in der Messewirtschaft – wie divers ist die Branche in Deutschland?

Vor einigen Jahren haben sich weibliche Führungskräfte zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, das sich mit Diversität und Frauen in der deutschsprachigen Messewirtschaft beschäftigt. Was sind Hintergründe und Ziele von WOMEN IN EXHIBITIONS DACH, welche Aktivitäten sind geplant und überhaupt: Wie sähe eine Messewirtschaft aus, die divers ist?

Darauf antworten Katariina Rohrbach (Deutsche Messe AG), Kirstin Deutelmoser (Messe Düsseldorf), Britta Wirtz (Messe Karlsruhe), Sabine Loos (Westfalenhallen Unternehmensgruppe), Birgit Horn (Messe Düsseldorf), Simone Dietz (Leipziger Messe Gastveranstaltungen) und Juliane Jähnke (agendum Schmitt & Jaehnke Partners).

AUMA: Was ist WOMEN IN EXHIBITIONS DACH, was war der Hintergrund für die Gründung und welche Ziele werden verfolgt?

Katariina Rohrbach und Kirstin Deutelmoser: WOMEN IN EXHIBITONS DACH ist ein Frauen-Netzwerk von Messeveranstaltern und Messegesellschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Netzwerk hat sich Ende 2018 gegründet, um eine aktive Rolle in der Diskussion zu Frauen in der Messewirtschaft auf Veranstalterseite und ihre geringe Präsenz in Führungspositionen einzunehmen. Ins Leben gerufen wurde das Netzwerk von Juliane Jähnke, agendum, und Kirstin Deutelmoser, Messe Düsseldorf, als regionale Gruppe des internationalen Netzwerks WOMEN IN EXHIBITIONS, das ebenfalls 2018 gegründet wurde. Weitere Führungsfrauen haben sich der Idee sehr schnell angeschlossen und bilden jetzt zusammen mit den beiden Gründerinnen das Beirats- und Supporter-Team.

Was war unsere Motivation das Netzwerk zu gründen? In der Messebranche als Dienstleistungsbranche haben sehr wenige Frauen eine Führungsposition inne. Besonders in der Geschäftsleitungsleitungsebene wird es sehr dünn, vor allem auch in Deutschland.
Gleichzeitig stand und steht die Messebranche vor zunehmend großen Herausforderungen. Gefragt sind aus unserer Sicht diverse Teams und Leadership-Kompetenzen, um sich zukunftsfähig aufstellen zu können. Besonders Fähigkeiten wie Empathie sowie Lern-, Team- und Kommunikationsfähigkeit zählen zu den weiblichen Stärken.

Wir möchten mit unserem Netzwerk Diskussionen beeinflussen, Entwicklungen moderieren und Frauen als ernstzunehmende Meinungsbildner auf Augenhöhe positionieren, um die Messeindustrie für die Zukunft zu stärken. Wir wollen gleichzeitig mit unserem Netzwerk die Rahmenbedingungen schaffen, damit mehr Frauen Top-Führungspositionen in der Messebranche einnehmen.
Wir fördern ein Bewusstsein und eine Atmosphäre von Wertschätzung, Respekt und Unterstützung für Frauen. Außerdem haben wir zum Ziel, grundsätzlich die Sichtbarkeit von Frauen zu erhöhen, sei es in Gremien, auf öffentlichen Bühnen oder innerhalb der jeweiligen Unternehmen. Wir wollen Mut machen, dass Frauen selbstbewusster auftreten, ihr Können unter Beweis stellen und Führungsverantwortung übernehmen. Aus unserer Sicht muss es in der Messewelt eine Selbstverständlichkeit sein, dass Männer wie Frauen die gleichen Chancen haben – auf jede Position.

AUMA: Welche Aktivitäten des Netzwerks standen bisher auf der Agenda?

Britta Wirtz: Mir war es besonders wichtig, dass wir schnell eine Datengrundlage erarbeiten, um auf eine Schieflage der Kräfteverhältnisse aufmerksam machen zu können. Unsere im Jahr 2019 durchgeführte Erhebung hat klar und unmissverständlich das, was uns allen bereits offensichtlich erschien, faktisch zutage gebracht: Auf operativer Ebene sind Frauen diejenigen, die in deutlicher Mehrheit das deutsche Messewesen am Laufen halten, nämlich 66%. In der Geschäftsführung sind es noch magere 14%. In Aufsichtsgremien sind es gerade einmal 24%. Ergänzend möchte ich anmerken, dass in unserem Branchenverband AUMA keine Frau von der Veranstalterseite im Vorstand vertreten ist. Gerade wenn wir auch nach der Krise attraktive Arbeitgeber sein wollen, ist eine stärkere Ausgewogenheit in den Führungsetagen angezeigt.

AUMA: Was ist in der nahen Zukunft geplant?

Juliane Jähnke: Wir planen in diesem Jahr eine zweite Befragung zur Statistik der Frauen in Führungsebenen – und hoffen dafür, wie auch insgesamt für unseren Einsatz für mehr Diversität, auf eine Unterstützung der Branchenverbände. Zudem haben wir bereits in den vergangenen Monaten Kontakt zu anderen Frauennetzwerken im Live Marketing aufgenommen, um an einigen Themen zusammenzuarbeiten. Wir merken wohl alle, dass die für Deutschland typische Trennung in Messe, Event und Kongress nicht mehr zeitgemäß ist. Daher wird hier auch ein wertvoller Austausch zu Fachthemen entstehen. Zudem wollen wir jüngere Frauen mehr in das Netzwerk einbinden und eigene Veranstaltungsformate anbieten, die für die gesamte Branche attraktiv sind und Themen wie Fehlerkultur und Collaboration aufgreifen. Und wir freuen uns über neue Mitglieder, also gern über die Webseite oder LinkedIn melden!

AUMA: Wie wäre eine Messewirtschaft, die wirklich divers ist?

Britta Wirtz: Erfolgreich werden wir dann sein, wenn wir den großen Herausforderungen in Folge der Pandemie mit dynamischen und motivierten Kolleginnen und Kollegen begegnen. Das Management ist gefordert, dazu die Rahmenbedingungen zu erarbeiten und bereit zu stellen. Gleichberechtigung ist dabei ein wesentliches Asset – nicht nur in der Frage des Geschlechts.

Sabine Loos: Für eine diverse Messewirtschaft auf allen relevanten Management-Ebenen müssen Frauen sich alles zutrauen und sich nicht von Rückschlägen entmutigen lassen. Neben den eigenen Fähigkeiten und dem beruflichen Netzwerk ist aber auch die Lösung der Kinderbetreuung ein wesentlicher Schlüssel in Bezug auf die Frage von „Frau und Karriere“.

Juliane Jähnke: So vielfältig, wie die Gesellschaft ist und die Messen, Events und andere Veranstaltungsformate, die wir anbieten, so vielfältig sollten Führung und Teams sein. Nur das Ausnutzen dieser Diversität bezüglich Geschlecht, Kultur, Religion oder sexueller Ausprägung wird uns unsere Zukunft sichern und uns ermöglichen, den gewaltigen Herausforderungen, vor denen die Branche steht, mit Zuversicht und neuen Ideen zu begegnen. Das ist komplex und alles andere als einfach, aber anders wird es nicht gehen.

Birgit Horn: Diversität im Messe-Management heißt von allen Kompetenzen profitieren: Fachlich, sachlich, intellektuell und emotional.

Simone Dietz: Eine Messewirtschaft, die wirklich divers ist, bedeutet, dass es auf allen Unternehmensebenen einen ausgewogenen Anteil von Frauen und Männern gibt – in der Geschäftsführung und Bereichsleitung ebenso wie bei Assistenten und Referenten. Außerdem sind uns alle Menschen willkommen, sei es im Team hinter den Kulissen oder als Besucher. Weltoffenheit, Vielfalt und die Möglichkeit der Teilnahme ohne Barrieren sind essentielle Aspekte einer diversen Messewelt.

 

Weitere Informationen:
Webseite: https://www.wie-dach.com
LinkedIn: https://www.linkedin.com/company/women-in-exhibitions-dach/ 
Whitepaper (2019): https://www.wie-dach.com/post/führung-der-messewirtschaft-zu-männlich-statistik-und-whitepaper
Keynote Juliane Jähnke (FAMA Herbsttagung 2020): https://www.wie-dach.com/post/fama-messefachtagung-vision-note-zu-female-leadership

 

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